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| Amphi Festival 2008 |
IV. Amphi Festival
Die Organisatoren des Amphi Festivals 2008, das am 19. und 20. Juli am Tanzbrunnen in Köln stattfand, hatten bereits vor einigen Tagen gemeldet, dass sowohl die Tagestickets für den Samstag als auch die Wochenendtickets ausverkauft sind. Und so überraschte es kaum, dass anders als im Vorjahr bereits an diesem ersten Tag insgesamt sehr starker Andrang herrschte. Der Wettergott meinte es mit den Besuchern allerdings nicht ganz so gut wie im Vorjahr, da es doch den einen oder anderen Regenschauer gab. Doch diese Schauer sorgten für Lack-, Latex- und Ledergewandete sicherlich auch für eine willkommene Abkühlung, da einem die sonnigen Phasen mächtig Schweißperlen auf die Stirn und andere Körperteile trieb.
Als erste Band betraten die auch von den Moderatoren Honey (Welle:Erdball) und Sven (Funker Vogt) als Orkus Newcomer angekündigten Mina Harker aus Braunschweig die Bühne. Da sie anscheinend noch nicht sehr vielen Besuchern ein Begriff waren, herrschte vor der Bühne allerdings leider recht große Leere. Der Stimmung der wenigen, die mit Mina Harker ihren ersten Gig in so großem Rahmen feierten, tat dies aber keinen Abbruch. Die Band ließ sich davon auch nichts anmerken und legte einen großartigen Auftritt hin.
Mina Harker
Auf größere Resonanz des Publikums stieß dann bereits der nächste Act: Cinderella Effect, das Solo-Projekt von Constance Rudert, allseits bekannt als Blutengel-Sängerin. Diese Bekanntheit kam ihr, was die Zuschauerzahlen anging, natürlich auch beim Amphi zugute, wo sie Stücke wie „Wenn die Liebe ein Engel ist“ oder auch den Klassiker „Zombie“ von den Cranberries präsentierte. Der Wettergott war allerdings nicht bester Stimmung und sandte einen kräftigen Regenguss auf die Erde.
Dann kam die Zeit der Rockfans. Bei Zeromancer, der nächsten Band, schallten satte Gitarrensounds aus den Boxen und drangen sogar noch in den entlegensten Eckchen des Geländes am Tanzbrunnen in die Gehörgänge der Besucher. Der Beifall der Zuschauer vor der Bühne für die Norweger war dann auch kaum leiser. Darauf folgten Welle:Erdball, auf die offenbar zahlreiche Festival-Besucher sehnlich gewartet hatten, denn das Gedränge vor der Hauptbühne nahm zu. Die Band wusste ihre Fans mit ihrem typischen C64-Sound zu verzücken.
Als Kontrast zu den elektronischen Klängen von Welle:Erdball wurde die zweite Hälfte des Programmtages auf der Hauptbühne wurde von Zeraphine um Sänger Sven Friedrich eingeläutet. Die gut aufgelegte Band begeisterte mit ihrem Gothic Rock die mittlerweile doch sehr zahlreich versammelte Besucherschar. Für den nächsten (beabsichtigten) klanglich-musikalischen Bruch sorgte im Anschluss die schwedische Elektro-Industrial-Band Covenant, die mit ihren treibenden Beats und ihrer Energie die Stimmung unter den lautstark applaudierenden Zuschauern weiter anheizte.
 Amphi-Besucherin
Der Nachmittag klang aus, und als Pre-Headliner gaben Deine Lakaien ihr Bestes, um die sehr gute Laune und die Begeisterung im Publikum selbst durch die Regenschauer, die wieder einmal einsetzten, nicht im geringsten trüben zu lassen. Unterstützt nicht nur durch ein Keyboard, sondern auch durch Geige und Kontrabass, zelebrierte Sänger Alexander Veljanov – durchaus auch mit Körpereinsatz – eine begeisternde Show.
Zum Abschluss des Tages auf der Hauptbühne stürmten Oomph! die Mainstage. Sänger Dero zog alle Register, wirbelte in seiner Zwangsjacke über die Bühne, heizte das Publikum immer wieder an und ließ sich auch ein kurzes Stage Diving nicht nehmen. Die Zuschauer dankten es ihm und dem Rest der Band mit frenetischem Beifall und einer ausgezeichneten Stimmung. Vor der Bühne entwickelte sich eine große, vom Oomph!-Rock angetriebene Party der mitsingenden, mittanzenden, mitfiebernden Fans.

Oomph!
Abschließend lässt sich sagen, dass die Organisation wie im Vorjahr gut war, die Wartezeiten hielten sich in Grenzen, die Umbaupausen waren nicht zu lang, und auch dass zusätzliche Toiletten bereit standen, war sehr erfreulich. Ebenfalls wie im Vorjahr waren die Preise für Speisen und Getränke allerdings ein wenig zu hoch, was man aber nicht den Organisatoren des Amphi anlasten kann. Das lag vielmehr daran, dass die Gastronomiebetriebe die Mitnahme von Speisen und Getränken auf das Gelände nicht zuließen und alles, was zum Verzehr geeignet war, daher vor Ort gekauft werden musste.
Die versprochenen längeren Spielzeiten gab es auch, wenngleich nicht auf der Hauptbühne, sondern im Theater. Auf der Mainstage war aus Lärmschutzgründen wie im Vorjahr um 22.00 Uhr Schluss, während im Theater Combichrist am Samstag bis ca. 22.30 Uhr spielten, woran sich die für bis 4.00 Uhr morgens geplante Aftershow-Party anschloss. Ein Problem dabei war lediglich, dass das Theater von der Kapazität her gar nicht alle Amphi-Besucher hätte aufnehmen können.
 Andrang vor der Hauptbühne
Was auch in diesem Jahr positiv auffiel, war der ruhige Verlauf des Festivals. Drängeln, Schubsen, Pöbeln – das alles scheint der Szene gänzlich unbekannt, so dass einem ungestörten Genuss des Festivals nichts im Wege stand. Ein Motto, das natürlich auch für den Festival-Samstag galt, war: „Sehen und gesehen werden.“ Zahlreiche Besucher hatten sich aufwändig, teils kunstvoll zurecht gemacht und verliehen dem Amphi dadurch das gewisse Etwas. Auch vom Alter her war das Publikum sehr gemischt – vom jungen „Goth-Nachwuchs“ bis zur älteren Elterngeneration war erneut alles vertreten.
Kurzum, es war ein sehr schöner, erlebnis- und ereignisreicher erster Festivaltag mit gut aufgelegten Bands, feierfreudigen, gut gelaunten Besuchern und im Großen und Ganzen zufriedenstellendem Wetter, der zweifellos Lust auf mehr machte.
Euer Lycan
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Der zweite Tag begann schon mit Sonnenschein. Dies ließ uns auf einen durchweg sonnigen zweiten Tag hoffen. Nachdem wir spontan die Gelegenheit bekommen hatten, L’Âme Immortelle zu interviewen, machten wir uns in aller Frühe zu Fuß auf den Weg vom Zeltplatz zum Tanzbrunnen.
Die ca. 5 km am Rhein entlang sind relativ schnell gelaufen, zumal die schöne Landschaft und auch die Stadtkulisse am gegenüberliegenden Rheinufer gar nicht erst an die Dauer der Wanderung denken ließ. Das Wetter hatte sich im Laufe des Morgens weiter stabilisiert. An dem auch am Sonntag mit 12.000 Besuchern ausverkauften Tanzbrunnen angekommen, gingen wir zum vereinbarten Ort für das Interview.
Gerade einmal fünf Minuten nach unserer Ankunft wurden wir bereits von L’Âme Immortelle in Empfang genommen. Bei einem gemütlichen Frühstückskaffee und sehr gelöster Stimmung entstand dann das Interview.
Um 12:55 Uhr ging es auf der Hauptbühne dann mit The Lovecrave aus Mailand weiter. Vor der Bühne herrschte schon ein reger Andrang der Festivalbesucher, die heute wesentlich mehr Stimmung als am Morgen des ersten Tages zeigten. Die Metal-Rocker um Sängerin Francesca Chiara konnten die Stimmung weiter steigern, überzeugten mit einem mitreißenden Bühnenauftritt und gewohnt guter Musik.
Letzte Instanz fingen die Stimmung des Publikums auf, um diese weiter zu steigern. Mit ihrer ständigen Interaktion mit den Fans und schmetternden Songs wie „Todestag“ ließen die Jungs von Letzte Instanz die Party erst richtig steigen. Immer wieder versuchten sie, die Besucher zum gemeinsamen Feiern zu bewegen, und gaben Impulse für ein friedliches, gemeinsames Verbessern der Welt.
Das Ich lieferten eine gewohnt gute, aber leider auch etwas „routinierte“ Show. Die Stimmung wurde so zwar gut gehalten, aber nicht weiter gesteigert. Dem Veranstalter bereiteten Das Ich eine kleine Aufmerksamkeit. Mit der Aussage, dass „alle Veranstalter Das Ich schon hassen, weil die immer überziehen“, verließ die Band ganze fünf Minuten früher als geplant die Bühne. Sicherlich ein netter Zug, aber schade um die vergebene Zeit.
Nach dem Interview am frühen Mittag waren wir natürlich ganz besonders auf den Auftritt von L’Âme Immortelle gespannt. Der Andrang vor dem Konzert war sehr groß, und wer erst kurz vor Beginn dazu kam, musste sich mit einem Platz an einer der Imbissbuden begnügen. Begeistert feierte das Publikum die Österreicher und sang jeden Song deutlich mit.
Melancholisch-aggressiv und doch verträumt ging es durch das Pogramm von
L’Âme Immortelle. Nachdem diese ein Lied einem verunglückten Freund und Helfer gewidmet hatten, war wohl auch das letzte Herz im Publikum erweicht, und gelöst-begeisterter Jubel verabschiedete die Künstler.
Suicide Commando kamen, sahen und heizten die Massen weiter auf. Mit bekannten Stücken wie „Bind, Torture and Kill“ fetzte die Band ihre Werke in den Menschenandrang, vor der Bühne wurde getanzt und gesungen. Passend zur Show wurde der Himmel von dunklen Wolken geziert.
Mittlerweile hatten sich gelegentlich wieder einige Regenschauer eingeschlichen, was der Stimmung auf dem gesamten Festivalgelände allerdings keinen Abbruch tat.
Von vielen fast schon ehrfürchtig erwartet, traten um 18:50 Uhr Project Pitchfork auf die Bühne. Begeistert, doch oft auch einfach im stillen Genuss zuhörend, wurden die Besucher des IV. Amphi Festivals von Project Pitchfork bewegt.
Eisbrecher hingegen starteten durch zu einem partydurchtränkten letzten Abend.
Nachdem wir schon während des Konzerts von Project Pitchfork angestanden und nunmehr 1 ½ Stunden vor dem Theater ausgeharrt hatten, konnten wir endlich hinein.
Drinnen erwarteten uns eine völlig überfüllte Halle, dumpfer Regen-Schweiß-Gestank und schlechte Luft. Dies alles wurde aber gekonnt von Eisbrecher in die Ecke des Vergessens gedrängt. Mit einem speziellen Gruß an das weibliche Publikum donnerten die Klänge von „Schwarze Witwe“ durch die Halle. Ein beeindruckendes Klangerlebnis zwar, aber das Theater verließen wir dann doch lieber wieder.
Wieder an der frischen Luft hörten wir schon den ersten Song der letzten, auf der Mainstage auftretender Band: And One gaben sich die Ehre. Hier wurde die Stimmung noch ein letztes Mal (jedenfalls im Außenbereich) so richtig bis fast auf den Siedepunkt gesteigert.
Als würde er die speziell ans weibliche Publikum gerichteten Songs von Eisbrecher aufgreifen, wurde And One-Frontmann Steve Naghavi sehr direkt und kündigte an, bei der Aftershowparty auf Frauensuche zu gehen. Entsprechend verzückt kreischten die Damen natürlich auf und feierten ihre Band erst recht.
„The Final Option“ waren in diesem Jahr Die Krupps, die im Theater auftraten. Zuvor gab es bereits eine Vorab-Aftershowparty. Die Stimmung hier war ziemlich gedämpft, nicht zuletzt vermutlich, weil der wirklich allerletzte Auftritt ja noch bevorstand.
Mit einer Verspätung von etwa einer halben Stunde fing dann der Auftritt von Die Krupps an. Sie schafften es, die Menge noch einmal etwas aufzuheizen, die ganz große Party blieb aber aus. Man merkte doch so langsam die Erschöpfung bei den Gästen und natürlich bei sich selber.
Die Aftershowparty haben wir dann ausgelassen, da uns an diesem Abend noch der Rückweg zum Zeltplatz bevorstand. Doch diese Wanderung verlief letztlich auch schnell und entspannt und bot Gelegenheit, die zahlreichen Eindrücke auszutauschen.
Jedem, der dieses Festival noch nicht besucht hat, bleibt nur zu sagen: „Schaut es euch bei nächster Gelegenheit an, es lohnt sich tierisch!“
Euer Pharisi
©2008 Dark-Section Radio
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